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Waldspaziergang - eine andere Vision 


Nachdem auf den vorherigen Seiten die Probleme eines Waldszenarios mit Original-Kieselholz dargestellt wurden, soll es nicht an einer Alternative fehlen.

Weltweit ist der Trend unübersehbar, die Originalsubstanz eines wertvollen Kultur- oder Naturgutes dauerhaft zu schützen und gewissermaßen zum Spielen Kopien, Repliken oder Modelle zu verwenden. Weshalb nicht auch für unseren Versteinerten Wald, wenn schon ein "Waldspaziergang" als Event gestaltet werden soll?

Stabile Nachbildungen von liegenden, stehenden oder abgeknickten Stämmen aus armierten Beton, die nicht nur zum Bestaunen, sondern auch zum Betätigen einladen. Klettern für Kinder und erfahrene Bergsteiger in den verschiedenen Schwierigkeitsstufen, Hangeln von Baum zu Baum usw. Es muss nicht gleich ein Disney-Land sein, aber in die Richtung Vergnügen und Erleben könnte schon gedacht werden. Ohne die strapaziöse Geisterbahn, dafür aber mit dem Flair des tropischen Waldes von vor etwa dreihundert Millionen Jahren, mit seinen Pflanzen und Tieren zum Anfassen, ein wenig dem Saurier-Park in Klein-Welka abgeschaut. Angst vor einem Plagiat zum Saurier-Park muss man nicht haben, denn es liegen bei den darzustellenden Kreaturen mehr als 200 Millionen Jahre dazwischen.

Jeder Vergnügungspark hat seine Eigenart und seine Besonderheiten. Zwischen gestalteten Spielplätzen und den großen Freizeitparks sind massenhaft Gestaltungsspielräume. In Chemnitz könnte es auf zwei grundsätzliche gestalterische Bereiche hinauslaufen, einen vor und einen während des Vulkanausbruchs, der die Bäume vergrub. Neue Spiele für Groß und Klein zu erfinden ist angebracht, z. B. "Vulkan-Kegeln", bei dem ein vulkanischer Schlammstrom mit Wasser nachempfunden und gestaltet wird, und wer mit Geschick die meisten "Bäume" umgeworfen hat, ist der Gewinner usw. usf.






Euro-Park Rust: Im europäisch ausgerichteten Freizeitpark sind mit hohem Qualitätsanspruch verschiedene Objekte in landestypischer Eigenart der beteiligten Staaten vereinigt.



Der Gedanke, mit Wasser viel Spaß zu haben, ist nicht neu, schön zu sehen beispielsweise am Gezeitenkraftwerk an der Oosterschelde (Niederlande). Man wird auch nicht die Wasa aus Schweden holen, wenn ein mittelalterliches Schiff zum Erlebnis werden soll. Gute Erfahrungen mit der Nachbildung eines Dorfes aus der Zeit der Kelten mit Wohnräumen, Werkstätten der verschiedenen Handwerker usw. liegen auch in Hallein (Österreich) vor, die Besucherresonanz zeugt von hoher Akzeptanz. Im übrigen ist der Untertagebereich des Bergbaumuseums Oelsnitz/Erzgeb. auf ebener Erde angelegt und vermittelt nur den Eindruck einer Situation im Bergwerk.












Oosterschelde: Neben gigantischen Wasserkraftanlagen des Gezeitenkraftwerkes findet sich auch ein Tummelplatz für Kinder und Erwachsene zum Spiel mit dem Wasser in verschiedenen Varianten.






Valkenburg bei Maastricht: Wo ehemals heller Mergel abgebaut wurde, hat man den früher in der Nähe ansässigen Kohlebergbau mit Maschinen und viel schwarzer Farbe nachgestaltet.





Bergbaumuseum Lugau-Oelsnitz/Erzgeb.: Nur der aufmerksame Besucher bemerkt, dass er sich trotz einer Tiefe von über 500 "Museumsmetern" im Erdgeschoss eines Gebäudes befindet. Auch der zu Bruch gegangene Stolln ist nur eine realitätsnahe Nachbildung einer Untertagesituation. 



Ein dritter, noch nicht angesprochener Bestandteil des Chemnitzer Parks könnte auch an das Gestein erinnern, das die verkieselten Bäume umschließt. Als Baustein hatte es für die Stadt eine Schlüsselfunktion. Ein Arrangement von behauenen Blöcken verschiedener Varietäten dieses Porphyrtuffs könnte auch auf eine einzigartige Steinmetztradition verweisen. Ferner könnte an anderer Stelle die weitere Vielfalt der in Chemnitz verbauten Gesteine - etwa 50 verschiedene Arten - dargestellt werden. 

Natürlich darf der Gastronomiebereich nicht fehlen. Angeboten werden könnten Getränke und Speisen mit wohlklingenden Namen mit Bezug auf die längst vergangenen Zeiten. Stilisierte Araukarienwedel dürften als Sonnen- und Regenschutz geeignet sein. Literatur und Souvenirs sollten nicht vergessen werden. ...

Könnte ein solches Projekt nicht in eine Landesgartenschau eingebunden werden, von einer Bundesgartenschau gar nicht zu reden? Immerhin steht der ehemals größte Verschiebebahnhof Europas - immer noch weitgehend ungenutzt – zur Disposition. Und sollten dort in der Hanglage tatsächlich geeignete verkieselte Stämme gefunden werden, kann man über deren Einbindung in das Gesamtprojekt mit einem "Fenster in die Erdgeschichte" von Dauer neu entscheiden.


Ein Fazit: Mindestens zwei Fliegen mit einer Klappe sind zu schlagen. Zum einen könnte man einen ortstypischen Erlebnisbereich mit Reflexion auf ein in Aussicht gestelltes Welterbe schaffen, zum anderen könnte man Anregungen liefern, sich vielleicht dem Original "Versteinerter Wald" im DAStietz von einer anderen Seite zu nähern, wie man auch mit Stellvertreterfunktionen bemüht ist, sich an bestimmte Kunstgattungen heranzutasten, zum Beispiel an die klassische Musik oder an moderne Medien.

Und der Welterbegedanke, der den Erhalt des Naturgutes als Kernstück hat, wird nicht in Frage gestellt. "Erlebnispark Steinerner Wald" könnte das Projekt heißen, so wie es dem Wort auch inhaltlich entspricht. Eine Chance zu nutzen und nicht zu vergeben bedeutet auch, mit Bedacht Wissenschaft zu betreiben und die Originalsubstanz der Natur erst dann anzutasten, wenn hinreichend geprüft und konzeptionell niedergelegt ist, wohin, symbolisch gesehen, das Schiff fahren und nicht auf Klippen zerschellen soll.

Es ist eine Vision anderer Art. Vielleicht sollte man die Gedanken in einem größeren Kreis diskutieren, Ideen sammeln und sich vielleicht auch im Rathaus dafür erwärmen, wo irgendwann Entscheidungen fallen müssen. Das Ganze mit Bedacht angegangen, attraktive Konzepte vorausgesetzt, könnte der Stadt Chemnitz nicht nur zu einem neuen Highlight verhelfen, es würde auch sichern, den eigentlichen Schatz der Stadt – den Versteinerten Wald in seiner Gesamtheit der vorhandenen verkieselten Hölzer – zu bewahren und der Öffentlichkeit und der Forschung auch in späteren Zeiten noch weitgehend unversehrt zur Verfügung stellen zu können.

26. Juli 2008