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Zum dritten Brauereifest am 20. Juli 2008 auf dem Chemnitzer Neumarkt richtete Sachsen-Fernsehen die Kameras auf eine Talkshow zum Thema "Versteinerter Wald - 8. Weltwunder für Chemnitz." Gäste waren André Donath, der Veranstalter des Brauereifestes, Dr. Ronny Rößler, Chef des Naturkundemuseums Chemnitz, Udo Leichsenring, Direktor des Günnewig-Hotels "Chemnitzer Hof" und als Moderator Gunnar Baumann.

Wer da dachte, es ginge um die Erlangung des bereits vielzitierten Welterbetitels für den Versteinerten Wald, wurde schon enttäuscht, denn außer bei der Begrüßung kamen die Begriffe "Weltnaturerbe" oder "Welterbe" in keinem der Redebeiträge vor, geschweige denn, dass darüber debattiert wurde, auf welchem Wege man dorthin gelangen will. Dafür fielen reichlich die Worte "Grabungen" und "ausbuddeln." Das, was ich im April (siehe Seite "Grabungsgedanken") niedergeschrieben habe, wird nun Realität. Die Initiative "Waldspaziergang" ist präsent, vor etwa einem halben Jahr in vermeintlich guter Absicht angetreten, aber leider gegründet auf hinterfragenswerte Voraussetzungen.

Das beginnt schon bei den wichtigsten Bedingungen – den für das Vorhaben erforderlichen versteinerten Kieselhölzern aus dem Chemnitzer Untergrund. Wenn der Direktor des Naturkundemuseums meint, dass die Fläche, auf der Kieselhölzer gefunden werden können, etwa so groß wie Chemnitz selbst sei, klingt das für die Schatzsucher hoffnungsvoll und gut, auch wenn das maßlos übertrieben ist. Von einem tropischen Wald mit kleinen Baumgruppen ist die Rede, das heißt, bei einer Freilegung der Auflagefläche des Porphyrtuffs können Kieselholzstämme auftreten, müssen aber nicht. Aber man müsse immer eine Vision haben, um ein Stück voranzukommen, und für spezielle Probleme gäbe es Experten, die dann befragt werden müssten. Als Geologe wolle er seinen Teil leisten, verspricht der Direktor des Museums. Ob er aber auch bereit ist, sich mit anderen Geologen aus Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen, was notwendig wäre, ließ er offen.

Die Stadtverwaltung hat vor über 2 Jahren eine Arbeitsgruppe berufen, die insbesondere die konzeptionelle Vorbereitung des Antrages auf den Welterbetitel als Aufgabe hat. Haben sich die Vertreter der Initiative vielleicht einmal auch mit der Arbeitsgruppe beraten, vielleicht darüber, das man die Stämme nicht ohne weiteres in die Landschaft stellen kann?

Sicherlich war es unschön, dass die Besucher des Sommerkinos, wie bei der Talkshow berichtet wurde, die Stämme, als sie noch am Theaterplatz standen, als Sitzgelegenheit nutzten und sie deshalb auch umfielen. Der Hauptgrund dafür, dass die Kieselholzstämme in das Tietz verfrachtet wurden, waren aber die Verwitterungsschäden und die damit verbundenen hohen Restaurierungsaufwendungen. Hat man das etwa vergessen? Nun will man einen ganzen Wald im Freien aufstellen. Ob das so geht, weiß der Museumsdirektor nun nicht mehr, er hat ja Visionen.


Versteinerter Wald Chemnitz noch am Theaterplatz mit "Sitzplätzen"

Die noch vor Monaten auf der Tagesordnung stehenden Beschimpfungen gegen die Stadt Chemnitz, sie würde nichts für das Welterbe tun, waren nicht mehr zu hören. Immerhin war die Stadt zum Talk mit dem Direktor ihres Naturkundemuseums und Leiter der Arbeitsgruppe vertreten. Allzu berechtigt forderte Herr Donath endlich ein Konzept und exakte geologische Gutachten, worauf man aufbauen könne. Eine Chance, vielleicht die des Jahrhunderts, sei zu vergeben. Nun gibt es in der Stadtverwaltung einen hoch dotierten Fachmann, der durchaus in der Lage sein sollte, für die Erarbeitung notwendiger Konzepte und geologischer Gutachten zu sorgen und von der Funktion her auch dafür zuständig ist. Nicht zufällig wurde ihm dafür eine Arbeitsgruppe an die Hand gegeben. Ob Herr Donath weiß, dass dieser Fachmann beim Talk mit am Tisch war? Auch der Stadtrat wartet übrigens auf die Konzepte, damit notwendige Maßnahmen und ihre Finanzierung endlich auch Eingang in die Planungen der Stadt finden können.

Rätselraten gab es über den Ort, wo man gedenkt, die Stämme zu finden. Die Hilbersdorfer Straße rauf, zwischen zwei Eisenbahnbrücken links weg, so wurde das Terrain beschrieben. Soweit mir in Erinnerung ist, war nicht weit davon bei Bauarbeiten vor etwa 45 Jahren der Quarzporphyr zu beobachten, also einige zig Meter unter dem kieselholzführenden Horizont. Auch geologische Karten verweisen auf diesen Sachverhalt. Sind aber die Bahnbrücken an der Emilienstraße vielleicht gemeint, muß man auf größere Erdarbeiten um 1900 verweisen. (Siehe auch Seite "Waldspaziergang").

Die Stadt Chemnitz hat 2006 grundlegende Beschlüsse zum Vorhaben Welterbe gefasst. Sie interessieren heute kaum noch jemanden mehr. Aufgehoben sind sie zwar nicht, aber deren Inhalt ist offensichtlich bei den Initiatoren der Beschlüsse in Vergessenheit geraten. "Welterbe" ist zur leeren Redensart geworden, denn dabei geht es in erster Linie um den Schutz und Erhalt des Naturgutes und nicht um dessen Inszenierung und Veräußerung, wenn auch in kleinen Stücken. Das von Ministerialvertretern empfohlene dauerhafte Fenster in die Erdgeschichte bleibt aus, das Filetstück der Fundmöglichkeiten für Kieselhölzer soll nach einem Foto des Museumsdirektors mit vor den Stämmen kniender Paläontologen-Elite wieder verfüllt werden. Dann sollen neue Orte zur Schatzsuche anvisiert werden.

Alles deutet darauf hin, dass der Gedanke, den Welterbetitel für die Stadt zu erhalten, nur Vorwand ist und die Ausbeutung der Fundstellen schrittweise zugunsten des Vorhabens Waldspaziergang erfolgen soll.

Und der Direktor des Museums für Naturkunde widerspricht nicht. Schade für Chemnitz.

22. Juli 2008